Der Tigerschnegel 

Biologie - Im Terrarium - Im Garten

Einiges zur Biologie

Der Tigerschnegel (Limax maximus), auch Große Egelschnecke oder Leopardenschnecke genannt, ist in Europa weit verbreitet, in Deutschland heimisch, und nicht geschützt. In einigen Gegenden in Deutschland und Österreich gilt er jedoch als potentiell gefährdet.
Der Tigerschnegel ist ein Zwitter, erreicht ausgestreckt eine Länge von 12 bis 15 cm und wird zwei bis drei Jahre alt. Geschlechtsreif ist er mit ca. einem Jahre, ausgewachsen mit ca. eineinhalb Jahren.
Ursprünglich ein Waldbewohner, ist er als Kulturfolger heute in Auen, Gärten, Parks und Industriebrachen anzutreffen, auch in feuchte Keller und Gebäudeteile kann er eindringen. Er bevorzugt naturbelassene und verwilderte Plätze, wo er sowohl genügend Versteck- und Überwinterungsmöglichkeiten als auch Futter vorfindet.
Als Nahrung dienen ihm hauptsächlich Pilze, sich zersetzendes Pflanzenmaterial, Kot und Aas, er lebt aber auch räuberisch, frisst die Gelege anderer Nacktschnecken und greift sogar ausgewachsene Wegschnecken an. Im Garten kann er hin und wieder eine reife Gurke oder eine abgefallene Tomate anknabbern, an lebenden Pflanzen vergreift er sich eher selten.
Der Tigerschnegel gilt deshalb als Nützling. Da er nachtaktiv ist und im Allgemeinen nicht gehäuft auftritt, ist er wenig bekannt – und erleidet, einmal gesichtet, nicht selten das Schicksal seiner gefräßigen Kollegen. Die Wahl zum Weichtier des Jahres 2005 sollte sowohl seinen Bekanntheitsgrad erhöhen als auch zur Schonung und Pflege dieser ganz besonderen Nacktschnecke beitragen.
Spektakulär ist sein Paarungsverhalten. In warmen Sommernächten - Hochzeiten sind die Monate Juli bis September - verfolgen sich zwei paarungsbereite Tiere, drehen sich mitunter Stunden im Kreis, wobei der Verfolger dem Vorankriechenden das Schwanzende beleckt, klettern hintereinander auf einen Baum oder Mauervorsprung, lassen sich ca. 40 cm an einem Schleimfaden herab, um sich dann in luftiger Höhe eng umschlungen zu paaren.
Das übertragene Sperma können die Schnegel über mehrere Monate speichern. Von Juli bis September legt ein einzelner Schnegel dann 100 bis 200 Eier ab, verteilt in kleinen Häufchen unter Moos und anderen lockeren und feuchten Verstecken. Aus den glasklaren Eiern schlüpfen nach 3 – 4 Wochen kleine, in den ersten Tagen noch cremeweiße Schnegelchen. Da in der freien Natur bereits viele der Eier verrotten, ein Teil der geschlüpften Tiere dann noch Fressfeinden oder Wetterbedingungen zum Opfer fallen, wachsen die Populationen jedoch nur langsam und es kommt zu keinem Massenauftreten der Schnegel.
Weiterführende Links:
www.mollusken-nrw.de/weichtier_des_jahres/weichtier2005.htm
www.schnegel.at/index.html?/arten/limax_maximus.html


Im Terrarium

Die Haltung als Schautier im Terrarium – wobei zu beachten ist, dass der Tigerschnegel tagsüber schläft und erst abends hervorkommt – ist recht einfach, da er weder Heizung noch eine zusätzliche Beleuchtung benötigt. Etwas Walderde, ein wenig Laub und Moos, zum Drunterkriechen ein locker liegender Stein, ein Ast oder auch ein umgestülpter kleiner Blumentopf, reichen als Ausstattung aus. Dazu muss noch für genügend Feuchtigkeit gesorgt werden - am Besten durch tägliches Besprühen mit einem Pflanzensprüher – und für ausreichend Belüftung, damit am Boden keine Stocknässe entsteht. Auch badet der Tiger gerne und freut sich über ein Schälchen Wasser.
Wer kleine Schnegelchen haben und/oder sich das Schauspiel einer Paarung nicht entgehen lassen möchte, muss die Tiere in einem Terrarium halten, das ca. 60 cm hoch und so gestaltet ist, dass sich die Tiere abseilen können. Dann das Terrarium z.B. mit einem Pollenschutzvlies abdichten, die Kleinen sind echte Ausbruchkünstler.
Von Natur aus sind die Schnegel keine Kannibalen, im Freien sitzen sie tagsüber gerne dicht beieinander im Versteck. Wenn sie allerdings in Gruppen im Terrarium leben, kann es vorkommen, dass sich die ausgewachsenen Tiere gegenseitig anknabbern. Die Kleinen kann man im Allgemeinen problemlos bei den Großen lassen, zu eng sollte es aber auch da nicht werden.
Zu den Lieblingsspeisen der Tiger zählen nach meiner Erfahrung Champignons, Gurken und Katzenfutter. Letzteres versorgt sie mit tierischem Eiweiß, das sie benötigen, um zur Geschlechtsreife zu gelangen. Wer es nicht zu eklig findet, kann ihnen auch mal eine tote Wegschnecke anbieten. Außerdem gekochte Nudeln, ein Stück Gurke, Tomate, Kartoffel oder Möhre, roh oder gekocht, und Ähnliches.
Zur Überwinterung kann der Tiger entweder in einen unbeheizten Raum (Garage oder Keller) gestellt werden, oder man behält ihn in der Wohnung, dann gibt es eben keinen Winterschlaf. Auch das ist ihm recht. Da er jedoch aktiv bleibt, solange die Temperaturen über dem Gefrierpunkt liegen, sollte er auch während der winterlichen Ruhezeit hin und wieder gefüttert werden. Auch muss man darauf achten, dass das Terrarium nicht austrocknet.


Im Garten

„Gartenbesitzer können sich glücklich schätzen, wenn solch ein eifriger Helfer wie die Tigerschnecke den Garten aufsucht, da diese Schnegel zu den Nützlingen im Garten zählen.“, weiss das Magazin Gartenzeitung zu berichten.
Wie viele verzweifelte Gartenbesitzer haben schon (fast) alles versucht, um die Nacktschneckenplage in ihrem Garten einzudämmen: Schneckenzäune, Bierfallen, Schneckenkorn, Gartenschere, um nur die gängigsten Mittel zur Abschreckung oder Vernichtung der gefräßigen Schädlinge zu nennen. Mit allenfalls mäßigem Erfolg. Dabei ist ihnen nicht selten einer zum Opfer gefallen, der eigentlich ganz besonders gehegt und gepflegt werden sollte: der Tigerschnegel.
Nicht nur, dass er keinen nennenswerten Schaden im Gemüsegarten und Blumenbeet anrichtet, nein, der Tigerschnegel betätigt sich neben seiner Funktion als Putzhilfe auch als Unterstützer im Kampf gegen seine schädlichen Kollegen! Er räubert deren Gelege aus (wie norwegische Wissenschaftler herausgefunden haben, benötigt der Tigerschnegel tierisches Eiweiß um zur Geschlechtsreife zu gelangen) und verjagt sie während seiner eigenen Paarungs- und Eiablagezeiten durch Bisse. Er kann ausgewachsene Wegschnecken angreifen und diese, sollten sie das Feld nicht freiwillig räumen, so oft beißen, bis sie verenden und aufgefressen werden.
Falls Sie in einer Gegend wohnen, wo er eher selten anzutreffen ist – in einigen Landstrichen in Deutschland und Österreich gilt der Tigerschnegel bereits als potentiell gefährdet - oder ihm Ihr Garten bisher zu sauber und gepflegt erschien, schaffen Sie ihm doch einfach ein behagliches Plätzchen darin und setzen Sie ihn hinein.
Wenn er sich wohl fühlt, wird er auch bleiben. Der Tigerschnegel ist standorttreu und bildet Kolonien, die sich im Umkreis von 5 bis 10 m aufhalten. Und da er kontinuierlich für Nachkommenschaft sorgt, kann schon eine Anzahl von vier bis acht Tieren (wie, je nach Jahreszeit und Entwicklungsstand der Tiere, in meinem Starterset angeboten) in ein bis zwei Jahren schon zu einer ordentlichen kleinen Putzkolonne in Ihrem Garten anwachsen.
Wichtig ist ein geschützter Platz, wo er sich tagsüber ungestört zurückziehen, seine Eier ablegen und auch überwintern kann. Da er eine Art Gefrierschutz im Körper hat, schaden ihm ein paar Minusgrade nicht, aber auch einen strengen Winter werden immer ein paar Tiere überleben.
Dazu braucht es in einer schattigen, möglichst feuchten und moosbewachsenen Ecke ein paar Steine (bestens eignen sich Hohl-Lochbacksteine), und/oder modrige Bretter zum Drunter- und Dazwischenkriechen, einen kleinen Laub- und/oder Asthaufen. Ideal ist ein Komposter in der Nähe.
Hilfreich ist auch anfängliches Anfüttern mit ein paar Körnchen Katzenfutter, einem Champignon, einem Stück Gurke u.ä., am Abend ausgelegt. (Vorsicht, es lockt auch andere Schnecken an.)

Weiterführende Informationen:
http://magazin.gartenzeitung.com/Tiere-im-Haus-und-Garten/tigerschnegel.html
www.oberhaching.bund-naturschutz.de/umwelt-oeko/umwelttipps/umwelttipps-2014/2014-05-nacktschnecke-tigerschnegel.html


Eier & Schlupf

Aus den anfangs glasklaren Eiern schlüpfen bei geeigneten Temperaturen bereits nach wenigen Wochen die kleinen Schnegel.

Im Terrarium

Im Terrarium wird eine flache Wasserschale gerne zum Baden genutzt.

Im Garten

Im Garten versteckt sich der Schnegel tagsüber gerne zwischen Steinen und Moos.